Scope 1, 2 und 3: Definition und Reduktion für Unternehmen

Detailaufnahme eines industriellen Energiezählers mit angeschlossenen Rohrleitungen

Scope 1 sind direkte Emissionen aus eigenen Quellen wie Fuhrpark oder Heizkessel. Scope 2 umfasst die Emissionen aus eingekauftem Strom, Wärme oder Kälte. Scope 3 bündelt alle übrigen indirekten Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, von zugekauften Rohstoffen bis zur Nutzung verkaufter Produkte. Diese Einteilung stammt aus dem Greenhouse Gas Protocol, dem internationalen Referenzstandard für die Erfassung von Treibhausgasemissionen in Unternehmen.

Für die meisten Organisationen ist Scope 3 der schwierigste, aber auch größte Hebel. Bei vielen Unternehmen macht diese Kategorie den überwiegenden Teil der Gesamtemissionen aus, wie Analysen zu Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen des MIT zeigen. Wer jetzt anfängt, sollte nicht auf die perfekte Datenlage warten, sondern mit dem arbeiten, was verfügbar ist.

Was also tun, wenn Sie diese Woche noch loslegen wollen?

  • Datenquellen sichten: Energieabrechnungen, Fuhrparkdaten, Einkaufsrechnungen und ERP-Auszüge zusammentragen.
  • Scope 1 und 2 erfassen: Diese Daten liegen meist schon im Haus und lassen sich innerhalb weniger Wochen konsolidieren.
  • Scope-3-Wesentlichkeit starten: Grobe Einschätzung, welche der 15 Kategorien überhaupt relevant sind.
  • Verantwortlichkeiten benennen: Eine Person oder ein kleines Team muss die Bilanzierung fachlich führen.
  • Methodik festlegen: Orientierung am GHG Protocol und, falls angestrebt, an den Vorgaben der Science Based Targets initiative für spätere Zielsetzung.
  1. Organisatorische Grenzen des Unternehmens festlegen.
  2. Relevante Emissionsquellen je Scope identifizieren.
  3. Aktivitätsdaten sammeln und mit Emissionsfaktoren verknüpfen.
  4. Ergebnisse plausibilisieren und dokumentieren.

Diese vier Schritte klingen simpel. In der Praxis stecken die eigentlichen Hürden im Detail, das die folgenden Abschnitte auflösen.

Wichtige Erkenntnisse

Erfolgreiche Emissionsbilanzierung beginnt mit sauberen Scope-1- und Scope-2-Daten und priorisiert bei Scope 3 die zwei bis drei Kategorien mit dem größten Hebel, statt alle 15 gleichzeitig zu bearbeiten.

Thema Details
Drei klare Kategorien Scope 1 direkt, Scope 2 eingekaufte Energie, Scope 3 gesamte Wertschöpfungskette laut GHG Protocol.
Sofort startbar Datenquellen sichten und Scope 1/2 erfassen lässt sich meist innerhalb weniger Wochen umsetzen.
Scope 3 priorisieren Zwei bis drei wesentliche der 15 Kategorien zuerst bearbeiten statt flächendeckend zu schätzen.
Reporting-Reihenfolge Erst Scope 1/2 solide erfassen, dann Scope-3-Prioritäten, danach SBTi-Prozess erwägen.
Externe Unterstützung PLANEGY begleitet Emissionsinventur, Anlagenkonzeption, Fördermittelakquise und CSRD-Reporting aus einer Hand.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das GHG Protocol und warum bilanzieren Unternehmen danach?

Das GHG Protocol ist der De-facto-Standard für die Bilanzierung von Treibhausgasen in Unternehmen. Es wurde vom World Resources Institute und dem World Business Council for Sustainable Development entwickelt und liefert seit den frühen 2000er-Jahren die begriffliche Grundlage für alles, was heute unter „Scope 1, 2, 3“ läuft. Ohne dieses Regelwerk gäbe es keine einheitliche Definition dafür, was als direkte und was als indirekte Emission zählt.

Der Corporate Standard des GHG Protocol legt genau fest, wie Unternehmen ihre organisatorischen und operativen Grenzen ziehen, welche Gase zu berücksichtigen sind und wie Doppelzählungen vermieden werden. Das ist kein bürokratisches Detail. Zwei Unternehmen, die nach unterschiedlichen Logiken bilanzieren, liefern Zahlen, die sich nicht vergleichen lassen. Genau das würde jede Zielsetzung, jedes Benchmarking und jede regulatorische Prüfung unmöglich machen.

Standardisierung ist der eigentliche Wert des GHG Protocol: Sie verhindert, dass Emissionen zweimal gezählt werden, macht Unternehmen über Branchen hinweg vergleichbar und liefert die Datenbasis, auf der Zielsetzungsinitiativen wie SBTi überhaupt erst aufbauen können.

Fast jeder relevante Reporting-Rahmen setzt auf dieser Grundlage auf. Die Science Based Targets initiative verlangt, dass Ziele nach GHG-Protocol-Logik berechnet werden. Die CSRD, also die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, referenziert die gleichen Scope-Definitionen in ihren European Sustainability Reporting Standards. CDP und GRI verwenden ebenfalls dieselbe Systematik für ihre Abfragen. Wer einmal sauber nach GHG Protocol bilanziert, hat also die Grundlage für praktisch jede weitere Berichtspflicht bereits gelegt.

Wie Unternehmen Emissionen praktisch messen

Die Formel hinter jeder Emissionsberechnung ist simpel: Aktivitätsdaten multipliziert mit einem Emissionsfaktor ergeben CO2-Äquivalente. Der Scope-3-Leitfaden des GHG Protocol liefert dafür konkrete Berechnungsansätze. Die eigentliche Arbeit liegt darin, verlässliche Aktivitätsdaten zu beschaffen und den passenden Emissionsfaktor zuzuordnen. Nicht-CO2-Gase wie Methan oder Lachgas werden dabei über Global Warming Potentials in CO2-Äquivalente umgerechnet, eine Methodik, die vom IPCC über die UNFCCC bereitgestellt wird.

Der praktische Ablauf für eine erste Emissionsinventur folgt fünf Schritten:

  1. Organisatorische Grenzen definieren: Welche Standorte, Beteiligungen und Tochtergesellschaften gehören zur Bilanz?
  2. Relevante Datenquellen identifizieren, getrennt nach Scope.
  3. Aktivitätsdaten für den gewählten Berichtszeitraum sammeln.
  4. Passende Emissionsfaktoren anwenden, idealerweise aus anerkannten Datenbanken.
  5. Ergebnisse auf Plausibilität prüfen und Lücken dokumentieren.

Typische Datenquellen unterscheiden sich stark nach Scope. Für Scope 1 sind das Tankbelege, Gasrechnungen und Wartungsprotokolle für Kältemittel. Für Scope 2 sind es Stromrechnungen und Herkunftsnachweise. Für Scope 3 wird es komplizierter: Einkaufsrechnungen, Lieferantendaten, Fuhrpark-Telematik externer Dienstleister und teils auch Reisekostenabrechnungen fließen hier zusammen.

Profi-Tipp: Fangen Sie bei Scope 3 nicht mit allen 15 Kategorien gleichzeitig an. Priorisieren Sie zwei bis drei Kategorien mit dem größten vermuteten Anteil, arbeiten Sie dort mit standardisierten Lieferantenfragebögen und schließen Sie den Rest zunächst mit Branchendurchschnittswerten.

Bei Scope 2 gibt es zusätzlich zwei anerkannte Berechnungsansätze, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Bei Scope 3 existieren gleich drei gängige Methoden, deren Genauigkeit mit dem Aufwand steigt.

Methode Ansatz Genauigkeit Typischer Einsatz
Marktbasiert (Scope 2) Nutzt vertragliche Instrumente wie Herkunftsnachweise Hoch bei Grünstromverträgen Unternehmen mit Ökostrombezug
Standortbasiert (Scope 2) Nutzt durchschnittliche Emissionsfaktoren des Stromnetzes Mittel, unabhängig vom Vertrag Vergleichbarkeit zwischen Standorten
Spend-based (Scope 3) Einkaufssumme × generischer Faktor Niedrig, aber schnell Erste grobe Schätzung
Average-data (Scope 3) Menge × branchenüblicher Durchschnittsfaktor Mittel Kategorien ohne Lieferantendaten
Supplier-specific (Scope 3) Reale Daten direkt vom Lieferanten Hoch, aber aufwendig Priorisierte Kategorien mit großem Hebel

Vergleichsgrafik: Methoden zur Berechnung von Emissionen für Scope 2 und Scope 3 im Überblick

Scope für Scope: Quellen, Beispiele und Reduktionshebel

Jeder Scope hat eine eigene Logik, eigene typische Quellen und eigene Stellschrauben. Wer das vermischt, verschwendet Zeit an den falschen Maßnahmen.

Scope 1: Direkte Emissionen aus eigener Hand

Zu Scope 1 zählen der Fuhrpark, stationäre Verbrennungsanlagen wie Heizkessel oder Blockheizkraftwerke, Prozessemissionen aus der Produktion und flüchtige Emissionen aus Kältemitteln. Bei produzierenden Betrieben mit eigenem Fuhrpark und Wärmeerzeugung macht Scope 1 oft einen spürbaren Teil der Gesamtbilanz aus.

Die wirksamsten Hebel: Elektrifizierung der Fahrzeugflotte, Brennstoffwechsel weg von Erdgas oder Heizöl hin zu Alternativen wie BioLPG, und der Austausch alter Kältemittel gegen klimafreundlichere Varianten. Der Aufwand ist überschaubar, die Wirkung oft schnell messbar. Genau deshalb setzen viele Unternehmen hier zuerst an.

Eine Hand steckt das Ladekabel ins E-Auto.

Scope 2: Eingekaufte Energie

Scope 2 erfasst Emissionen aus zugekauftem Strom, Fernwärme, Fernkälte und Dampf, wobei Förderanreize in vielen Fällen den Umstieg auf effiziente Systeme und eigene Anlagen erleichtern, wie bei Incentivi für die Reduktion von Energieverbrauch und PV-Anlagen beschrieben. Der Hebel ist meist der direkteste im gesamten Modell: Wechsel zu einem Grünstromvertrag mit belastbaren Herkunftsnachweisen, eigene Photovoltaikanlagen oder der Einstieg in ein systematisches Energiemanagement nach ISO 50001. Ein häufiger Fehler entsteht hier an der Schnittstelle zu Scope 3: Vorgelagerte Emissionen aus der Energieproduktion, etwa der Bau eines Kraftwerks, gehören laut überarbeitetem GHG Protocol zu Scope 3, nicht zu Scope 2. Wer das vermischt, zählt doppelt.

Scope 3: Die Wertschöpfungskette

Hier liegen typischerweise eingekaufte Güter und Dienstleistungen, Transport und Logistik, Geschäftsreisen, Pendelverkehr der Beschäftigten und die Nutzung verkaufter Produkte. Bei vielen großen Organisationen liegt ein großer Anteil der Gesamtemissionen in Scope 3, wie die Nachhaltigkeitsdaten der Deutschen Bahn zeigen. Reduktion gelingt hier fast nie im Alleingang. Sie braucht Lieferantenengagement, veränderte Produktdesigns und teils eine Neuausrichtung der Beschaffungsstrategie.

Wichtige Kennzahlen, die Verantwortliche im Blick behalten sollten: Emissionen in tCO2e pro produzierter Einheit, Energieverbrauch pro Quadratmeter Betriebsfläche und die durchschnittliche Emissionsintensität der wichtigsten Zulieferer. Ein mittelständischer Maschinenbauer, der seinen Fuhrpark elektrifiziert und gleichzeitig auf Grünstrom umstellt, kann seine Scope-1- und Scope-2-Bilanz oft innerhalb eines Jahres deutlich verbessern, während die Scope-3-Reduktion über mehrere Jahre läuft, weil sie von der Kooperationsbereitschaft der Lieferanten abhängt.

Scope 3 im Detail: Die 15 Kategorien und wie man sie priorisiert

Das GHG Protocol unterteilt Scope 3 in genau 15 Kategorien, acht vorgelagert und sieben nachgelagert. Diese Systematik verhindert, dass Unternehmen wichtige Emissionsquellen schlicht übersehen, weil sie außerhalb der eigenen Betriebsgrenzen liegen.

Kategorie Kurzbeschreibung Typische Datenquelle Beispielaktivität
1. Eingekaufte Güter und Dienstleistungen Emissionen aus Herstellung zugekaufter Waren Einkaufsrechnungen, Lieferantendaten Rohstoffbeschaffung
2. Investitionsgüter Emissionen aus Herstellung von Anlagevermögen Anlagenbuchhaltung Kauf einer Produktionsmaschine
3. Brennstoff- und energiebezogene Aktivitäten Vorgelagerte Emissionen aus Energieerzeugung Energieabrechnungen Förderung und Transport von Erdgas
4. Vorgelagerter Transport Transport eingekaufter Güter zum Unternehmen Logistikrechnungen Spedition von Lieferanten
5. Abfall im Betrieb Entsorgung und Behandlung von Abfällen Entsorgungsnachweise Recycling von Produktionsabfall
6. Geschäftsreisen Emissionen aus dienstlichen Reisen Reisekostenabrechnungen Flugreisen zu Kundenterminen
Pendelverkehr der Beschäftigten Arbeitswege der Belegschaft Mitarbeiterumfragen Autopendler zum Standort
Vorgelagerte geleaste Vermögenswerte Emissionen aus geleasten Anlagen Leasingverträge Geleaste Bürofläche
9. Nachgelagerter Transport Transport verkaufter Produkte zum Kunden Versanddaten Distribution an Handelspartner
Verarbeitung verkaufter Produkte Weiterverarbeitung durch Abnehmer Branchendaten Verarbeitung von Halbzeugen
11. Nutzung verkaufter Produkte Emissionen während der Produktnutzung Produktlebenszyklusdaten Energieverbrauch eines Geräts
Entsorgung verkaufter Produkte Emissionen am Lebensende des Produkts Entsorgungsstatistiken Recycling ausgedienter Geräte
Nachgelagerte geleaste Vermögenswerte Emissionen aus vermieteten Anlagen Vermietungsverträge Vermietete Gewerbeflächen
14. Franchises Emissionen von Franchisenehmern Franchise-Reporting Filialbetrieb unter eigener Marke
15. Investitionen Emissionen aus Kapitalbeteiligungen Portfoliodaten Beteiligung an anderen Unternehmen

Nicht jede Kategorie ist für jedes Unternehmen relevant. Ein Softwareunternehmen wird bei Kategorie 11 kaum etwas finden, ein Gerätehersteller dagegen sehr wohl. Die Priorisierung läuft über eine Wesentlichkeitsanalyse: Welche Kategorie hat vermutlich das größte Volumen, und wo hat das Unternehmen tatsächlich Einfluss auf Reduktion? Eine Hebel-Einfluss-Matrix hilft, kurzfristig machbare Maßnahmen von langfristigen Transformationsprojekten zu trennen.

  • Kategorien mit hohem Volumen und hohem Einfluss zuerst angehen, etwa eingekaufte Güter bei produzierenden Betrieben.
  • Kategorien mit hohem Volumen, aber geringem direktem Einfluss über Lieferantenengagement bearbeiten.
  • Kategorien mit geringem Volumen zunächst mit Branchendurchschnittswerten grob abschätzen statt aufwendig zu erheben.

Datenlücken sind bei Scope 3 die Regel, nicht die Ausnahme. Pragmatische Lösungen sind Stichprobenerhebungen bei einer Auswahl repräsentativer Lieferanten, der Rückgriff auf anerkannte Emissionsfaktoren-Datenbanken und standardisierte Lieferantenfragebögen, wie sie auch in praxisnahen Leitfäden von ClimatePartner beschrieben werden.

Reporting und Zielsetzung: Was SBTi, CSRD, CDP und GRI verlangen

Vier Rahmenwerke prägen aktuell die Erwartungen an Unternehmen, und sie bauen alle auf dem GHG Protocol auf, verlangen aber unterschiedliche Dinge. Die Science Based Targets initiative prüft und validiert Reduktionsziele wissenschaftlich fundiert und verlangt in der Regel, dass auch wesentliche Scope-3-Kategorien einbezogen werden. Die CSRD ist keine freiwillige Initiative, sondern EU-Recht: Über die ESRS E1 müssen berichtspflichtige Unternehmen ihre Scope-1- und Scope-2-Emissionen sowie wesentliche Scope-3-Kategorien offenlegen, wie es die CSRD-Richtlinie vorschreibt. CDP sammelt Daten für Investoren und Kunden über einen standardisierten Fragebogen. GRI liefert einen breiteren Nachhaltigkeitsrahmen, in dem Emissionsdaten nur ein Baustein neben anderen sind.

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen freiwillig und verpflichtend. SBTi und CDP sind freiwillige Initiativen, denen sich Unternehmen aus strategischen oder Marktgründen anschließen. Die CSRD ist Pflicht für alle Unternehmen, die ihre Schwellenwerte erreichen, unabhängig davon, ob sie das wollen oder nicht. Die Wesentlichkeitsprüfung nach ESRS entscheidet dabei, welche Scope-3-Kategorien tatsächlich berichtspflichtig werden, nicht jede der 15 Kategorien ist für jedes Unternehmen relevant.

Glaubwürdig wird ein Emissionsbericht durch drei Signale: verifizierte Ziele statt reiner Absichtserklärungen, eine unabhängige Drittprüfung der Zahlen und Transparenz darüber, welche Berechnungsmethode für welche Kategorie verwendet wurde. Wer diese drei Punkte erfüllt, hat einen Bericht, der auch einer externen Prüfung standhält.

Für die praktische Reihenfolge beim Zielsetzen empfiehlt sich ein klarer Weg: zuerst Scope 1 und 2 solide erfassen und reduzieren, danach die wichtigsten Scope-3-Kategorien priorisieren, und erst dann, wenn die Datenbasis trägt, in einen formalen SBTi-Prozess einsteigen.

Herausforderungen, Zeitrahmen und Kosten der Emissionsbilanzierung

Die häufigsten Stolpersteine sind selten technischer Natur. Datenlücken bei Scope 3 sind Alltag, weil viele Lieferanten selbst keine belastbaren Zahlen liefern können. Doppelzählungsfallen entstehen an der Schnittstelle zwischen Scope 2 und Scope 3, wenn vorgelagerte Energieerzeugung fälschlich doppelt erfasst wird. Interne Abstimmungsprobleme tauchen auf, wenn Einkauf, Facility-Management und Nachhaltigkeitsabteilung mit unterschiedlichen Datenständen arbeiten. Und häufig fehlt schlicht die IT-Integration, um Verbrauchsdaten automatisiert aus dem ERP-System zu ziehen.

Der Zeitrahmen hängt stark vom Ambitionsniveau ab. Ein erster Quick-Scan zur groben Einordnung der wichtigsten Emissionsquellen lässt sich oft in vier bis acht Wochen durchführen. Eine vollständige Erfassung nach dem Corporate Carbon Footprint mit belastbaren Scope-3-Daten und Verifizierungsvorbereitung dauert dagegen häufig sechs bis achtzehn Monate, je nach Unternehmensgröße und Datenreife.

Bei den Kosten fallen typischerweise mehrere Posten an: interne Personalzeit für Datenerhebung, gegebenenfalls Softwarelizenzen für ein Energiemanagementsystem, die Befragung von Lieferanten und externe Beratungsleistungen für Methodik und Verifizierung. Ein pragmatischer Ansatz ist ein Minimum-Viable-Product: erst die größten Hebel angehen, dann verfeinern. Viele Investitionen in Scope-1- und Scope-2-Maßnahmen lassen sich zudem über Förderprogramme wie BEW, KfW oder BAFA teilweise refinanzieren, was den anfänglichen Kostendruck deutlich senkt.

Wie eine Energie- und Emissionsberatung ein Projekt begleitet

Ein typisches Beratungsprojekt folgt einem klaren Ablauf: Zuerst wird der Bilanzierungsrahmen definiert, also welche Standorte und Scopes einbezogen werden. Danach folgt die Datenerhebung, oft der zeitaufwendigste Schritt. Anschließend wird bilanziert und mit Emissionsfaktoren verknüpft. Darauf folgt die Maßnahmenplanung, die konkrete Reduktionshebel priorisiert. Die Umsetzungsbegleitung sorgt dafür, dass aus dem Plan tatsächlich Investitionen werden. Am Ende steht das laufende Monitoring und Reporting.

Konkrete Leistungen, die in so einem Projekt zusammenkommen, reichen von Energieaudits über die Recherche passender Fördermittel bis zur technischen Anlagenkonzeption und der Automatisierung des CSRD-Reportings über KPI-Dashboards. Der Mehrwert liegt selten im reinen Zahlenwerk, sondern darin, dass Datenqualität schneller entsteht, Fördermittel tatsächlich abgerufen werden und die Reduktion nicht erst nach Jahren beginnt.

Bevor ein solches Projekt startet, sollten Auftraggeber drei Dinge vorbereiten:

  • Verfügbare Verbrauchs- und Einkaufsdaten der letzten ein bis zwei Jahre zusammenstellen.
  • Eine intern verantwortliche Person oder ein kleines Team benennen.
  • Eine grobe Vorstellung davon haben, welches Ambitionsniveau angestrebt wird, etwa reine Berichtspflicht oder ein SBTi-Ziel.

Was diese Arbeit in der Praxis wirklich entscheidet

Datenqualität schlägt Ambition. Ein Unternehmen mit soliden, nachvollziehbaren Scope-1- und Scope-2-Zahlen und nur drei sauber priorisierten Scope-3-Kategorien steht besser da als eines, das alle 15 Kategorien oberflächlich mit Schätzwerten füllt. Prüfer und Investoren merken den Unterschied sofort.

Realistische Ziele schlagen große Versprechen. Wer zuerst messbare Erfolge bei Scope 1 und 2 erzielt, etwa durch Grünstrom oder Flottenelektrifizierung, gewinnt intern die Glaubwürdigkeit, die für die viel schwierigere Scope-3-Arbeit nötig ist. Lieferanten reagieren anders auf ein Unternehmen, das seine eigenen Hausaufgaben bereits gemacht hat.

Nach über 20 Jahren Erfahrung in Ingenieur- und Projektmanagementpraxis im Energiesektor sieht PLANEGY immer wieder denselben Unterschied zwischen Unternehmen, die vorankommen, und solchen, die stecken bleiben: Es ist nicht die Größe des Budgets, sondern die Konsequenz, mit der Datenlücken angegangen und Lieferanten frühzeitig eingebunden werden.

PLANEGY als Partner für Emissionsbilanzierung und Reduktion

Die meisten Unternehmen scheitern nicht an der Theorie hinter Scope 1, 2 und 3, sondern an der praktischen Umsetzung: fehlende Daten, unklare Zuständigkeiten, keine Zeit für Lieferantenfragebögen neben dem Tagesgeschäft. Genau hier setzt PLANEGY an, mit über 20 Jahren Erfahrung in Ingenieur- und Projektmanagementpraxis im Energiesektor und einer technologieoffenen Herangehensweise, die keine Anlagenlösung von vornherein ausschließt.

PLANEGY

Konkret unterstützt PLANEGY bei der Emissionsinventur nach GHG-Protocol-Logik, bei der Anlagenkonzeption für Scope-1-Reduktion, etwa Nahwärmesysteme, BHKW oder BioLPG als Brückentechnologie, sowie bei der Automatisierung von ESG- und CSRD-Reporting über KPI-Dashboards mit ERP-Integration. Besonders wertvoll für viele Kunden ist der vollumfängliche Förderservice: PLANEGY identifiziert und akquiriert Fördermittel bis zu 1,2 Millionen Euro aus Programmen wie BEW, KfW, BAFA und EU-Fördertöpfen, wodurch sich die Investitionskosten für Reduktionsmaßnahmen oft erheblich senken lassen.

Der Nutzen zeigt sich schnell: schnellerer Zugang zu belastbaren Daten, ausgeschöpfte Förderpotenziale statt liegen gelassenem Geld, und ein Reduktionspfad, der sich tatsächlich nachweisen lässt, statt nur auf dem Papier zu stehen. Wer wissen möchte, wo die eigene Organisation bei Scope 1, 2 und 3 steht, kann bei PLANEGY ein Erstgespräch oder einen Quick-Scan anfragen und sich unverbindlich zeigen lassen, wo die größten Hebel liegen.

Quellen

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, findet die verlässlichsten Antworten direkt bei den Institutionen, die die Standards selbst geschrieben haben, nicht bei Sekundärquellen, die sie nur zusammenfassen.

Der Corporate Standard des GHG Protocol ist der Ausgangspunkt für jede ernsthafte Bilanzierung. Der Corporate Value Chain Standard vertieft speziell die 15 Scope-3-Kategorien mit Berechnungsleitfäden. Für den rechtlichen Rahmen in der EU lohnt ein Blick in die CSRD-Richtlinie selbst, statt sich auf Zusammenfassungen Dritter zu verlassen. Der Scope-1-2-3-Explainer des MIT eignet sich gut als verständlicher Einstieg für Teams, die neu ins Thema einsteigen.

Wer die Reihenfolge beim Recherchieren richtig wählt, spart sich viel Verwirrung: erst die Primärquelle GHG Protocol für die Definitionen, dann regulatorische Texte wie die CSRD für die Pflichten, erst danach praxisnahe Erklärstücke für den schnellen Überblick.

Für Fragen zur Umrechnung unterschiedlicher Treibhausgase in CO2-Äquivalente liefert die UNFCCC-Übersicht zu Global Warming Potentials die methodische Grundlage, auf der auch das GHG Protocol selbst aufbaut.

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