BioLPG Verfügbarkeit in Deutschland: Was Unternehmen 2026 wissen müssen
Ja, BioLPG ist in Deutschland verfügbar und kann heute von Industrie, Gewerbe und netzfernen Gebäuden genutzt werden. Voraussetzung ist eine Lieferkette mit ISCC-zertifizierten Nachweisen. Die Menge bleibt begrenzt, doch bestehende Flüssiggasanlagen können ohne technischen Umbau umgestellt werden. Für die Anrechnung in Förderanträgen und Energieausweisen gilt zusätzlich das GEG.
Kurz gesagt:
- BioLPG kann ohne technischen Umbau in bestehenden Flüssiggasanlagen genutzt werden, sofern eine ISCC-zertifizierte Lieferkette besteht.
- Die verfügbare Menge hängt von der Produktion bioger Kraftstoffe ab, noch sind größere Mengen aufgrund begrenzter Infrastruktur nur eine Nische.
- Für Energieausweise und Förderanträge ist der Nachweis der biogenen Herkunft entscheidend, ansonsten fällt BioLPG auf den Emissionsfaktor fossilen LPG zurück.
- Zertifikate nach ISCC sind unerlässlich, um die biogene Herkunft rechtssicher zu belegen und Förderfähigkeit sowie den niedrigen CO2-Faktor zu sichern.
- Bei der Beschaffung sind schriftliche Nachweise, klare Lieferkette und frühzeitige Planung wichtig, um Förderungen nicht zu gefährden.
Inhaltsverzeichnis
- Aktuelle Marktlage: Import, inländische Produktion und Vertriebswege
- Rechtliche Einordnung: GEG Paragraf 22 und die Primärenergiefaktoren
- Zertifizierung und Lieferantenauswahl: Worauf es bei ISCC ankommt
- Logistik, Lagerung und Versorgungssicherheit im Betrieb
- Wo BioLPG in Industrie und Gewerbe wirklich Sinn ergibt
- Preisbildung und Marktentwicklung bei BioLPG
- Praxischeck: Beschaffung und Förderbegleitung mit PLANEGY
- Was bei der BioLPG-Debatte oft übersehen wird
- Wie PLANEGY Unternehmen bei BioLPG-Projekten unterstützt
- Quellen
- FAQ
Aktuelle Marktlage: Import, inländische Produktion und Vertriebswege
Die erste Schiffsladung BioLPG erreichte Deutschland am 13. April 2018 über Rotterdam, angeliefert durch Primagas. Seitdem hat sich Primagas als historischer Marktteilnehmer positioniert und vertreibt BioLPG bundesweit, chemisch identisch mit konventionellem Flüssiggas und einsetzbar in bestehenden Anlagen ohne technische Umrüstung.
BioLPG entsteht überwiegend als Nebenprodukt bei der Herstellung von biogenem Diesel und anderen erneuerbaren Kraftstoffen, etwa aus pflanzlichen Ölen oder Reststoffen. Das bedeutet: Die verfügbare Menge hängt direkt von der Produktionskapazität anderer Biokraftstoffe ab, nicht von einer eigenständigen BioLPG-Produktionslinie. Eine Rentenbank-Analyse zu verflüssigten Biokraftstoffen kommt zu dem Schluss, dass die Infrastruktur für Transport und Lagerung in Deutschland grundsätzlich vorhanden ist, die Nachfrage aber hinter dem Angebot zurückbleibt.
Die Vertriebswege orientieren sich an denen des konventionellen LPG:
- Flaschenware für kleinere gewerbliche Abnehmer und netzferne Standorte.
- Tankwagenlieferung für mittlere Verbraucher mit eigenem Lagertank.
- Großlieferungen per Kesselwagen oder Schiff für Industriekunden mit hohem Bedarf.
Die räumliche Abdeckung folgt dabei dem bestehenden LPG-Vertriebsnetz. Wer bereits mit Flüssiggas heizt oder produziert, kann in der Regel auf denselben Logistikweg zurückgreifen und muss lediglich den Liefervertrag auf BioLPG umstellen. Engpässe entstehen weniger durch fehlende Leitungen oder Tanks, sondern durch begrenzte verfügbare Mengen am Weltmarkt.
Rechtliche Einordnung: GEG Paragraf 22 und die Primärenergiefaktoren
Das Gebäudeenergiegesetz regelt in Paragraf 22 die Primärenergiefaktoren, die bestimmen, wie ein Energieträger in Energieausweisen und Effizienznachweisen bewertet wird. Für biogenes Flüssiggas sieht das Gesetz einen eigenen, günstigeren Faktor vor, sofern der Nachweis der biogenen Herkunft erbracht wird. Ohne diesen Nachweis fällt BioLPG auf den Faktor von fossilem Flüssiggas zurück, und der rechnerische Vorteil entfällt komplett.
Ein zentraler Wert steckt in Anlage 9 des GEG: biogenes Flüssiggas wird dort mit 180 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde geführt, deutlich niedriger als der Wert für fossiles Flüssiggas. Dieser Emissionsfaktor fließt direkt in die Bilanzierung von Neubauten und Sanierungen ein und kann über die Erfüllung gesetzlicher Mindestanforderungen entscheiden.
Für die Praxis bedeutet das:
- Ohne dokumentierten Nachweis der biogenen Herkunft zählt der Emissionsfaktor für fossiles LPG, nicht der günstigere Wert.
- Energieaudits nach EN 16247 müssen den nicht erneuerbaren Anteil korrekt zuordnen, was bei Förderanträgen über KfW-Programme/PDF-Dokumente/6000003931_Technische_FAQ_217_218_219_220_276_277_278.pdf) geprüft wird.
- Landesbauordnungen können ergänzende Anforderungen stellen, die neben dem GEG zu beachten sind.
Wer BioLPG in ein Förderprojekt einbringen will, sollte den Primärenergiefaktor und den Emissionswert von Anfang an mit einplanen, denn beide Kennzahlen entscheiden über die Förderfähigkeit der Anlage.
Zertifizierung und Lieferantenauswahl: Worauf es bei ISCC ankommt
Die Zertifizierungsschemata ISCC EU und ISCC PLUS bestätigen, dass eine Charge BioLPG die Nachhaltigkeitskriterien der EU erfüllt und damit den Anforderungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III entspricht. Ohne diese Zertifizierung lässt sich die biogene Herkunft gegenüber Behörden und Fördermittelgebern nicht rechtssicher belegen, und der günstigere Primärenergiefaktor nach GEG Paragraf 22 bleibt unerreichbar.
Vor Vertragsabschluss lohnt sich eine strukturierte Prüfung:
- Zertifikat einsehen und die Gültigkeit direkt beim Zertifizierer verifizieren, nicht nur die Lieferantenangabe akzeptieren.
- Klären, ob die Lieferkette nach Massenbilanz oder als segregierte Ware geführt wird, denn beide Modelle haben unterschiedliche Nachweispflichten.
- Herkunftsnachweise und Chain-of-Custody-Dokumente für jede Lieferung archivieren, nicht nur für die erste Bestellung.
- Den historischen Marktteilnehmer Primagas als Referenzpunkt für marktübliche Vertragsgestaltung heranziehen, ohne sich auf einen einzigen Anbieter zu beschränken.
Profi-Tipp: Verlangen Sie vom Lieferanten die ISCC-Zertifikatsnummer schriftlich im Vertrag, nicht nur im Angebot, damit sie bei einer späteren Förderprüfung sofort verfügbar ist.
Fehlt der Zertifikatsnachweis, drohen zwei Risiken: Die Anlage verliert die Förderfähigkeit rückwirkend, und der Energieausweis muss mit dem fossilen Emissionsfaktor neu berechnet werden. Beides lässt sich vermeiden, wenn die Dokumentation von Beginn an vollständig vorliegt.
Logistik, Lagerung und Versorgungssicherheit im Betrieb
Für Bestandsanlagen ändert sich technisch wenig: BioLPG nutzt dieselben Tanks, Leitungen und Transportwege wie fossiles Flüssiggas, ohne bauliche Anpassung. Anders sieht es bei der Versorgungssicherheit aus, denn begrenzte Weltmarktmengen können zu Lieferengpässen führen, wenn kein Puffer eingeplant ist.
Für Einkäufer und Betreiber sind folgende Punkte relevant:
- Mehrjährige Lieferverträge mit festen Mengenkontingenten verringern das Risiko kurzfristiger Ausfälle.
- Ein Mindestlagerbestand von mehreren Wochen Verbrauch federt saisonale Nachfragespitzen ab.
- Genehmigungs- und Explosionsschutzauflagen für Flüssiggasanlagen gelten unverändert, unabhängig davon, ob fossiles oder biogenes LPG gelagert wird.
- Vertragsklauseln sollten eine Ersatzlieferung mit fossilem LPG bei Lieferausfall ausdrücklich regeln, um Betriebsunterbrechungen zu vermeiden.
Wer eine neue Anlage plant oder eine bestehende umrüstet, sollte die Genehmigungsfragen frühzeitig klären, denn Fristen für Explosionsschutzdokumente und Gefährdungsbeurteilungen laufen parallel zur Lieferantensuche.
Wo BioLPG in Industrie und Gewerbe wirklich Sinn ergibt
BioLPG eignet sich besonders dort, wo ein Erdgasanschluss fehlt und eine vollständige Elektrifizierung wirtschaftlich oder technisch nicht infrage kommt. Typische Einsatzfelder:
- Wärmeversorgung für netzferne Gewerbebetriebe und landwirtschaftliche Standorte ohne Gasnetzanschluss.
- Betrieb von Blockheizkraftwerken und Dampferzeugern, bei denen der niedrigere Emissionsfaktor die CO2-Bilanz spürbar verbessert.
- Hybridlösungen aus BioLPG und Wärmepumpe, bei denen BioLPG die Spitzenlast an kalten Tagen abdeckt.
- Prozesswärme in Industriebetrieben mit bestehenden LPG-Kesseln, die kurzfristig keine Alternative aufbauen können.
Die Entscheidung hängt am Ende von drei Faktoren ab: den Mehrkosten gegenüber fossilem LPG, dem Gewicht der CO2-Bilanz für ESG-Berichte und der Verfügbarkeit einer gesicherten, zertifizierten Lieferkette. Als Übergangslösung zur Wärmewende bietet BioLPG vor allem dort einen Vorteil, wo eine vollständige Systemumstellung noch Jahre entfernt ist.
Preisbildung und Marktentwicklung bei BioLPG
Der Preis für BioLPG orientiert sich an mehreren Faktoren gleichzeitig: den Rohstoffkosten der Biokraftstoffproduktion, den Importkosten aus den Herkunftsländern, dem CO2-Preis auf fossile Alternativen und der jeweiligen Förderpolitik. Da BioLPG ein Nebenprodukt ist, bestimmt vor allem die Nachfrage nach dem Hauptprodukt, wie viel Menge überhaupt am Markt verfügbar wird.
Laut der Rentenbank-Analyse ist die Infrastruktur für verflüssigte Biokraftstoffe in Deutschland vorhanden, während Nachfrage und Förderrahmen die Skalierung begrenzen. Das zeigt sich auch an vergleichbaren Debatten um Mautregelungen im Bio-LNG-Bereich, wo politische Rahmenbedingungen die Nachfrage stark beeinflussen können.
Für Unternehmen, die Preisrisiken begrenzen wollen:
- Mehrjahresverträge mit Preisgleitklauseln statt reiner Spotmarktbeschaffung.
- Frühzeitige Reservierung von Mengenkontingenten vor Bau- oder Umrüstprojekten.
- Beobachtung von Förderprogrammen, da politische Anreize die Nachfrage und damit die Preise kurzfristig verschieben können.
Solange die Nachfrage hinter der vorhandenen Infrastruktur zurückbleibt, dürfte BioLPG ein Nischenprodukt mit Preisaufschlag gegenüber fossilem LPG bleiben.
Praxischeck: Beschaffung und Förderbegleitung mit PLANEGY
Vor jedem Liefervertrag lohnt sich eine kurze, strukturierte Prüfung:
- Zertifikatstyp und Gültigkeit des ISCC-Nachweises direkt beim Zertifizierer gegenprüfen.
- Herkunftsnachweis und Massenbilanzmodell schriftlich im Vertrag fixieren lassen.
- Klären, welche Dokumente für BAFA- oder KfW-Förderanträge und für das ESG-Reporting konkret benötigt werden.
- Bei komplexen Genehmigungs- oder Fördermittelfragen frühzeitig externe Beratung hinzuziehen.
Profi-Tipp: Bewahren Sie jede Lieferantenrechnung zusammen mit dem passenden ISCC-Zertifikat in einem eigenen Ordner auf. Bei einer Förderprüfung zählt die lückenlose Zuordnung mehr als die reine Menge der Nachweise.
Der häufigste Fehler in der Praxis ist die Annahme, ein einmal vorgelegtes Zertifikat gelte automatisch für alle Folgelieferungen. Das ist nicht der Fall, denn jede Charge benötigt ihren eigenen Nachweis.
Was bei der BioLPG-Debatte oft übersehen wird
Die öffentliche Diskussion um BioLPG konzentriert sich meist auf die CO2-Bilanz und übersieht dabei die eigentliche Engstelle: die Nachweisführung. Ein Unternehmen kann technisch problemlos auf BioLPG umstellen, ohne einen einzigen Cent Fördervorteil zu realisieren, wenn die Zertifikatskette lückenhaft dokumentiert ist. Genau das passiert in der Praxis regelmäßig, weil Lieferanten Zertifikate liefern, Einkaufsabteilungen sie aber nicht systematisch archivieren.
Die zweite Fehleinschätzung betrifft die Verfügbarkeit selbst. Viele Entscheider gehen davon aus, dass eine bestehende LPG-Infrastruktur automatisch bedeutet, BioLPG sei jederzeit in beliebiger Menge abrufbar. Tatsächlich bleibt die Menge an die Produktion anderer Biokraftstoffe gekoppelt, und wer erst kurzfristig bestellt, konkurriert mit anderen Abnehmern um ein begrenztes Angebot.
Wer BioLPG ernsthaft in ein Energiekonzept einbauen will, sollte deshalb zuerst die Dokumentationsprozesse klären und erst danach über Liefermengen verhandeln. Das ist weniger aufregend als eine CO2-Bilanz-Präsentation, entscheidet aber am Ende darüber, ob die Fördermittel tatsächlich fließen.
— Alexios Donas
Wie PLANEGY Unternehmen bei BioLPG-Projekten unterstützt
Ein Liefervertrag ist schnell unterschrieben, die Förderfähigkeit dagegen hängt an Details, die viele Betriebe erst bei der Antragsprüfung entdecken. Ein Unternehmen begleitet Industrie, Gewerbe und Kommunen technologieoffen von der Analyse bis zur Umsetzung, ohne einen bestimmten Energieträger zu bevorzugen.

Zum Leistungsspektrum gehören konkret:
- Prüfung und Aufbereitung der Nachweisdokumente für Förderanträge.
- Begleitung von Genehmigungsverfahren, etwa nach 4. BImSchV, für Anlagen mit BioLPG-Einsatz.
- Automatisiertes ESG-Reporting mit Kennzahlen-Dashboards für die Dokumentation der CO2-Bilanz.
Wer den nächsten Schritt konkret plant, findet die vollständige Leistungsübersicht von PLANEGY online und kann von dort direkt Kontakt aufnehmen.
Quellen
- ISCC – Certification Schemes – ISCC EU
- § 22 Primärenergiefaktoren — GEG
- Erste Schiffsladung aus Rotterdam: Primagas bringt BioLPG nach Deutschland | Presseportal
- bioeconomy deep dives — Rentenbank
FAQ
Wo finde ich Bio-LNG-Tankstellen in Deutschland?
Bio-LNG-Tankstellen sind ein eigenes Angebot für Schwerlastverkehr und unterscheiden sich von der BioLPG-Versorgung für Gebäude und Industrieanlagen. Für BioLPG erfolgt die Belieferung überwiegend über Tankwagen und Flaschenlieferung direkt vom Lieferanten, nicht über ein öffentliches Tankstellennetz.
Wie lange wird es LPG noch geben?
Ein festes Enddatum für fossiles oder biogenes Flüssiggas ist derzeit nicht bekannt. Solange bestehende Anlagen in netzfernen Gebäuden und Industriebetrieben betrieben werden, bleibt LPG als Brückentechnologie relevant, insbesondere in der biogenen Variante mit dem günstigeren Emissionsfaktor nach Anlage 9 GEG.
Wie viel russisches Gas bezieht Deutschland noch?
Zu aktuellen Mengen russischer Gaslieferungen liegt in diesem Zusammenhang keine belastbare Quelle vor. Für eine verlässliche Aussage empfiehlt sich ein Blick in die aktuellen Berichte der Bundesnetzagentur oder des Bundeswirtschaftsministeriums.
Wer bietet reines Biogas in Deutschland an?
Ein Anbieter mit einem vollständig aus biogenen Quellen stammenden Flüssiggasangebot ist derzeit nicht eindeutig belegt. Historisch war Primagas der erste Anbieter, der BioLPG nach Deutschland brachte, wobei Mischverhältnisse und Zertifizierungsmodell je nach Liefervertrag variieren.
Welche Nachweise braucht mein Unternehmen für BioLPG-Förderungen?
Für die Förderfähigkeit ist ein gültiges ISCC-Zertifikat je Lieferung sowie die korrekte Zuordnung des Primärenergiefaktors nach GEG Paragraf 22 erforderlich. Ohne diese Dokumentation wird der günstigere Emissionsfaktor für biogenes Flüssiggas bei Energieaudits und Förderanträgen nicht anerkannt.