BioLPG in der Industrie: Prozessenergie und Rohstoff für Bestandsanlagen

BioLPG lässt sich in der Industrie sowohl energetisch für Prozesswärme und Dampf als auch stofflich einsetzen, besonders als Brückentechnologie, wenn Elektrifizierung noch nicht greift. Das mögliche CO₂-Einsparpotenzial hängt von Rohstoff und Bilanzgrenze ab. Entscheidend sind die ISCC-Zertifizierung als Nachweis, die Kompatibilität mit Ihren Bestandsanlagen sowie Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit.


Kurz gesagt:

  • Bestehende Brenner und Tanks lassen sich häufig weiterverwenden; prüfen Sie dennoch Brennereinstellung, Flammenbild, Emissionen sowie Druck und Temperatur der Lagerung.
  • Beim Massenbilanzverfahren erhalten Sie nicht zwingend biogene Moleküle, sondern eine rechnerische Zuordnung; verlangen Sie deshalb Herkunftsnachweise für jede Lieferung.
  • Angegeben werden Einsparungen von bis zu 90 %, doch der Wert hängt von Rohstoff und Bilanzgrenze ab; prüfen Sie den Nachweis nach ISCC.
  • BioLPG kostet meist mehr als fossiles Flüssiggas; Liefermenge, Tankgröße und Anfahrt beeinflussen den Preis, während BIK oder EEW die Rechnung verbessern können.
  • Vor Vertragsabschluss empfiehlt sich ein Energieaudit mit einer Analyse von Last und Prozess; prüfen Sie die Brennerlinie im Versuch sowie Genehmigungsunterlagen und Liefernachweise.

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Inhaltsverzeichnis

Was ist BioLPG und worin unterscheidet es sich von fossilem LPG?

BioLPG besteht aus Bio-Propan und Bio-Butan. Chemisch sind die Moleküle identisch mit denen von fossilem Flüssiggas. Der Unterschied liegt allein in der Herkunft: Statt aus Erdöl oder Erdgas stammt der Ausgangsstoff aus biogenen Reststoffen, Abfällen oder Pflanzenölen.

Für Betreiber zählt vor allem, was daraus für den Betrieb folgt:

  • Heizwert und Verbrennung: Lassen Sie das Brennverhalten für Ihre Anlage prüfen.
  • Lagerfähigkeit: Lassen Sie prüfen, ob Tanks, Armaturen und Leitungen für den Einsatz geeignet sind.
  • Umrüstung: Ob bestehende Brenner und Tanks weiter genutzt werden können, muss im Einzelfall geprüft werden.
  • Qualität: Je nach Rohstoff können Spurenbestandteile schwanken, deshalb lohnt der Blick ins Sicherheitsdatenblatt des Lieferanten.

Gerade das macht BioLPG für Betriebe attraktiv, die ihre Anlagen nicht tauschen wollen oder können. Je nach Anlage kann ein Brennstoffwechsel technische Anpassungen erfordern.

Wie wird BioLPG hergestellt, und was bedeutet das Massenbilanzprinzip?

Die Rohstoffbasis bestimmt, wie belastbar die Klimabilanz ausfällt. Nach der Rentenbank-Analyse bioeconomy deep dives eignet sich Bio-LPG besonders dann für Wärmemärkte und bestimmte industrielle Anwendungen, wenn es aus Neben- und Reststoffen entsteht und als Nebenprodukt veredelt wird.

Mögliche Produktionswege sind:

  1. Hydrierung biogener Öle und Fette: Dabei fällt Bio-Propan als Nebenstrom an.
  2. Veredelung von Nebenströmen: Gase aus Raffinations- und Aufbereitungsprozessen werden zu Flüssiggas aufgereinigt.
  3. Vergasung und Aufbereitung: Biomasse wird in Synthesegas überführt und weiterverarbeitet.

Beim Massenbilanzprinzip wird die biogene Menge rechnerisch dem gelieferten Produkt zugeordnet. Fragen Sie nach den Nachweisen zur Zuordnung. Praktisch heißt das: Sie bekommen nicht zwingend „reine“ Bio-Moleküle, sondern einen belegten bilanziellen Anteil. Deshalb braucht es lückenlose Nachweise. Weil die Rohstoffe schwanken, kann auch die Gasqualität leicht variieren. Fragen Sie Ihren Lieferanten nach Spezifikation und Herkunft der Charge.

Wo setzen Industriebetriebe BioLPG konkret ein?

Mögliche Einsatzfelder sollten anhand des jeweiligen Prozesses geprüft werden: Welche Temperatur, welche Last, wie viel Ausfallsicherheit?

  • Niedertemperaturwärme und Heißwasser: für Reinigung, Pasteurisierung und Gebäudebeheizung am Produktionsstandort.
  • Dampfbereitstellung: in Dampferzeugern, die bislang mit fossilem Flüssiggas laufen und keinen Netzanschluss für Erdgas haben.
  • Direkte Brennerprozesse: Trocknen, Backen, Wärmebehandlung und Schmelzen in Produktionslinien.
  • Stoffliche Nutzung: als Rohstoff-Substitut in chemischen Prozessen, wo fossiles Propan oder Butan eingesetzt wird.

Welche Anforderungen in Lebensmittelverarbeitung, Metallverarbeitung oder Chemie gelten, hängt vom jeweiligen Prozess ab. Die Fraunhofer-IEE-Analyse zur zukunftsfähigen Energie für die Industrie empfiehlt, BioLPG als Brückentechnologie zu betrachten, wenn direkte Elektrifizierung kurz- bis mittelfristig technisch oder wirtschaftlich nicht greift.

Was müssen Sie technisch prüfen, bevor Sie umsteigen?

Bevor Sie den Brennstoff wechseln, klären Sie Lagerung und Logistik, Verbrennungstechnik und Unterlagen.

  • Lager und Logistik: Zustand der Tanks, Zapfanlagen und Anschlüsse, Anforderungen an Druck und Temperatur, Zufahrt für Tankwagen.
  • Verbrennung: Brennereinstellung kontrollieren, Emissionsverhalten und Flammenbild nach der Umstellung prüfen.
  • Sicherheit: Explosionsschutzdokumente und Gefährdungsbeurteilungen aktualisieren. Bei genehmigungsbedürftigen Anlagen können zudem Immissionsschutzunterlagen betroffen sein. Das ist keine Rechtsberatung, die Einordnung im Einzelfall gehört zur Genehmigungsbehörde.
  • Lieferantendaten: Hersteller veröffentlichen Sicherheitsdatenblätter, zum Beispiel über das Portal von TotalEnergies. Sie liefern Stoffeigenschaften und Handhabungshinweise für Ihr Genehmigungsdossier.

Profi-Tipp: Machen Sie vorab eine Last- und Prozessanalyse und lassen Sie sich vom Lieferanten die Massenbilanz-Nachweise zeigen, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben.

Wie belastbar ist die CO₂-Bilanz, und welche Zertifikate zählen?

Die CO₂-Bilanz hängt von Rohstoff und Bilanzgrenze ab und gilt nicht pauschal für jede Lieferung.

Die ausgewiesene CO₂-Einsparung hängt vom Rohstoff und der Bilanzgrenze ab; welcher Wert für Ihre Lieferung gilt, sollte anhand der Nachweise geprüft werden.

Worauf Sie bei Nachweisen achten:

  • Zertifikate: Prüfen Sie, welche Nachweise Herkunft und Nachhaltigkeit der Rohstoffe entlang der Lieferkette belegen.
  • Massenbilanz-Nachweis: Fordern Sie die Bilanzierungsunterlagen je Lieferung an, nicht nur ein Allgemeinzertifikat.
  • Rohstoffherkunft: Reststoffe und Abfälle sind klimatisch anders zu bewerten als Pflanzenöle aus Anbaubiomasse.
  • Greenwashing vermeiden: Verlangen Sie transparente Angaben zu Bilanzgrenzen und prüfen Sie, ob der genannte Prozentwert zu Ihrem Produkt passt.

Wer berichtspflichtig ist, kann diese Nachweise direkt in sein ESG-Reporting übernehmen. Dort entscheidet die Qualität der Belege über die Belastbarkeit Ihrer Zahlen.

Was kostet der Umstieg, und welche Förderung kommt infrage?

Ob sich BioLPG rechnet, hängt von mehreren Faktoren ab:

  1. Brennstoffpreis: BioLPG liegt in der Regel über fossilem LPG, den genauen Aufschlag klären Sie über ein Angebot.
  2. Logistikkosten: Anfahrt, Liefermenge und Tankgröße wirken direkt auf den Preis pro Einheit.
  3. Verbrauchsvolumen: Große, planbare Mengen verbessern die Konditionen.
  4. Investitionsbedarf: Da kaum umgerüstet werden muss, ist der CAPEX gering, ein Vergleich mit einer Elektrifizierung lohnt trotzdem. Dazu haben wir Elektrifizierung von Prozesswärme eingeordnet.
  5. Förderung: Programme wie BIK und EEW können die Wirtschaftlichkeit verbessern, so die genannte Fraunhofer-Analyse.

Zur Verfügbarkeit: Sie ist bilanziell zu verstehen und hängt von Lieferketten und Skaleneffekten ab. Details zur Marktlage finden Sie in unserem Beitrag zur BioLPG-Verfügbarkeit. Zur Planungssicherheit betont die Systemanalyse des Fraunhofer CINES, dass planbare Energiekosten und klimaneutrale Energieträger für energieintensive Betriebe wettbewerbsentscheidend sind.

Wie gehen wir ein BioLPG-Projekt gemeinsam mit Ihnen an?

Zuerst die Effizienz, dann der Brennstoff. Das Umweltbundesamt führt unter Energiesparen in Industrie und Gewerbe das Energieaudit nach DIN EN 16247 als strukturierende Maßnahme auf, die auch die Förderfähigkeit erhöhen kann. Wir empfehlen deshalb, vor jeder Brennstoffentscheidung ein Energieaudit durchzuführen und BioLPG in ein hybrides Konzept einzubetten.

Unser Fahrplan:

  • Machbarkeitsstudie mit Last- und Prozessanalyse
  • Labor- oder Pilottests der Brennerlinie
  • Ausschreibung und Lieferantenvergleich mit Nachweisprüfung
  • Förderantrag, begleitet von uns
  • Umsetzung und Inbetriebnahme

Wir bewerten dabei alle Technologien neutral. Mehr zur richtigen Reihenfolge lesen Sie in unserem Beitrag zur Dekarbonisierung der Prozesswärme.

Warum Technologieoffenheit bei BioLPG-Projekten zählt

Wer sich früh auf einen Energieträger festlegt, trägt dessen Preis- und Regulierungsrisiko allein. Wir halten deshalb nichts von Patentrezepten: BioLPG ist eine starke Brücke, wo Elektrifizierung nicht greift, aber selten die ganze Lösung. Die IEA sieht hybride Wärmeerzeugung und biogene Brennstoffe weiterhin als relevante Optionen neben Elektrifizierung. Wer mehrere Wege offen hält, bleibt widerstandsfähig. Fallbeispiele finden Sie in unserem Beitrag zu BioLPG für Bestandsanlagen.

— Alexios Donas

Wie wir Sie von der Machbarkeit bis zur Förderung begleiten

Sie wollen wissen, ob BioLPG zu Ihrem Standort passt und was es Sie nach Abzug der Förderung kostet? Wir übernehmen Machbarkeitsstudie, Energieaudit, Genehmigungsbegleitung und Fördermittelakquise aus einer Hand, neutral und ohne Herstellerinteressen. Unsere Fördermittelakquise unterstützt Sie dabei, passende Fördermöglichkeiten zu prüfen. Die passenden Angebote für Industriebetriebe finden Sie auf unserer Industrie-Seite und in der Leistungsübersicht. Schreiben Sie uns für eine unverbindliche Standortanalyse, wir melden uns mit einer ersten Einschätzung.

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FAQ

Ist BioLPG für Industrieanlagen mit bestehenden Brennern geeignet?

Ja, BioLPG ist chemisch identisch mit fossilem Flüssiggas. In vielen Fällen können Sie bestehende Brenner und Tanks weiter nutzen. Prüfen Sie dennoch Einstellung und Dokumentation.

Wie hoch ist die CO₂-Einsparung durch BioLPG?

Sie hängt vom Rohstoff und der Bilanzgrenze ab. Angegeben werden Einsparungen von bis zu 90 % gegenüber fossilem LPG. Lassen Sie sich den Wert für Ihre Lieferung durch ISCC-Nachweise belegen.

Welche Zertifikate brauche ich für BioLPG?

Üblich sind ISCC EU und ISCC PLUS, zusammen mit Massenbilanz-Nachweisen je Lieferung. Sie bilden die Grundlage für Beschaffung und Nachhaltigkeitsberichte.

Gibt es Förderung für den Umstieg auf BioLPG?

Förderprogramme wie BIK und EEW können die Wirtschaftlichkeit verbessern. Welches Programm passt, hängt von Projekt und Anlage ab. Eine Förderbegleitung prüft das vorab.

Quellen

Empfehlungen

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